{"title":"Als wäre sie eine von uns: Spark von Natalie Walker","slug":"natalie-walker-spark-review","url":"https://www.romanjasiek.de/natalie-walker-spark-review/","published_at":"2011-07-07T13:50:00.000Z","updated_at":"2026-10-01T18:27:30.000Z","excerpt":"Vor zwei Jahren war es, als ich auf Natalie Walker aufmerksam wurde. Seinerzeit surfte ich einfach vor mich hin, nichts zu finden hatte ich im Sinn. Gefunden habe ich aber trotzdem: großartige, einzigartige Popmusik (warum liest sich das immer wie ein Makel?), die hauptsächlich einen Haken hat: In unserem schönen Lande kennt sie kaum ein Mensch, ein höchst bedauerlicher Umstand fürwahr! Drei Jahre nach With You ist Frau Walker nun mit ihrem neuen Album Spark am Start. Airplay wird sie auch diesm","meta_description":null,"html":"<p>Vor zwei Jahren war es, als ich auf <a href=\"https://www.romanjasiek.de/natalie-walker-with-you-das-album-das-in-deutschland-kaum-jemand-kennt-aber-alle-kennen-sollten/\" rel=\"noreferrer\"><strong>Natalie Walker</strong></a> aufmerksam wurde. Seinerzeit surfte ich einfach vor mich hin, nichts zu finden hatte ich im Sinn. Gefunden habe ich aber trotzdem: großartige, einzigartige Popmusik (warum liest sich das immer wie ein Makel?), die hauptsächlich einen Haken hat: In unserem schönen Lande kennt sie kaum ein Mensch, ein höchst bedauerlicher Umstand fürwahr! Drei Jahre nach <strong>With You</strong> ist Frau <strong>Walker</strong> nun mit ihrem neuen Album <strong>Spark</strong> am Start. Airplay wird sie auch diesmal wohl leider nicht erfahren hier; für Genußmenschen, Kenner und Freunde alternativer Popmusik geht allerdings trotzdem die Sonne auf. Quasi.</p><p>Wenn ich so zurückdenke an meine Review von vor zwei Jahren, dann waren es die coolen, verspielten, dennoch mit einem gewissen Understatement produzierten Arrangements, die mir gefielen. Ebenso die eingängigen, fesselnden und den Hörer (also mich) in tiefster Seele berührenden Melodien und Texte. <strong>With You</strong> war (und ist!) wie Seelenbalsam. Wenn man sich fallen lassen möchte, dann ist <strong>Natalie Walkers</strong> extra geschmeidige Mischung aus handgemachten Balladen (garniert mit elektronischen Versatzstücken) und an TripHop erinnernden Uptempo-Nummern das geeignetste Netz zum Auffangen, das man sich wünschen kann. Und dann noch dazu die angenehme Stimme der Dame, die sich förmlich in die Gehörgänge des Hörers schmiegt. Nun, die Rezeptur, mit der <strong>Natalie Walker</strong> ihre Hörer verwöhnt, funktioniert auch 2011 noch, hat sie sich doch schließlich auch nur wenig verändert.</p><p>Auffällig an <strong>Spark</strong> ist, dass im Vergleich zum letzten Album der Electro-Anteil sowie das Tempo relativ deutlich gedrosselt wurden. Liest sich möglicherweise dramatischer, als es ist, denn auch <strong>With You</strong> war unterm Strich kein Album, das mit dem Durchschnittstempo von 08/15-Popalben heutiger Zeit konkurrieren konnte. Vermutlich auch gar nicht wollte. Und das ist auch gut so. Überproduzierte, auf maximalen Erfolg getrimmte Alben hat die Musikwelt schließlich genug. Auf <strong>Spark</strong> dominieren die ruhigeren Töne. Zwar gibt es Tracks wie das extrafeine <strong>Cool Kids</strong>, das es tatsächlich in den ein oder anderen Club geschafft hat, wirkliche Tanznummern klingen dennoch anders.</p><p>Nein, es sind die leisen Zwischentöne, die hier das Bild bestimmen&nbsp;– oder eben den Ton angeben. Auch inhaltlich. Irgendwo zwischen Coming-of-Age, dem klassischen Liebeslied und sogar manchmal religiös angehaucht rangieren die Texte aus der Feder <strong>Natalie Walkers</strong>, die dem Hörer ein ums andere Mal vermitteln: „Ich bin eine von euch. Ich verstehe, wie es euch geht, was euch bewegt.“</p><p>Beispiel gefällig? Bidde:</p><p>»I put on my shorts<br>And my tie-dyed t-shirt<br>A six pack and cigarettes<br>And my best friend on the roof deck<br>The distant church bells ring<br>We catch a buzz and start to sing</p><p>I’m looking for God<br>In this bottle filled with booze<br>I’m searching for God<br>On a Sunday afternoon«</p><p>Oder auch:</p><p>»Have you sailed around the world?<br>Did you know what you were floating toward?<br>The ocean never knew your name<br>Underneath the blue we’re all the same</p><p>There is only one of you<br>There is only one today<br>Don’t we see that we can shine so brightly?<br>So why are we still so afraid?«</p><p>Es ist diese Normalität, diese Bodenständigkeit in den Texten, die begeistert. Sie vermitteln ein wunderbares Gefühl von „Hey, da ist genauso ein kleines Licht wie ich, unterwegs auf der holprigen Straße des Lebens, und versteht mich.“ Oder, wie ich es 2009 formuliert habe: „[…] ist es fast so, als blickte sie mit ihren stahlblauen Augen direkt in die Seele des modernen Großstadtmenschen, der auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft, vor allem aber im Leben mit all seinen Facetten ist.“</p><p>An der Aussage der letzten <strong>Natalie-Walker-Review</strong> hat sich nichts geändert: Noch immer sind es Songs, die aufgrund von melodiöser, tiefenentspannter Ausgestaltung unter die Haut gehen und das Herz erwärmen. Wer sich ebenfalls von <strong>Frau Walker</strong> durch gedankenschwangere Nächte bringen oder nur ins eigene Kopfkino entführen lassen möchte, muss derzeit allerdings auf Downloadshops wie <strong>iTunes</strong> oder <strong>Amazon</strong> zurückgreifen. Oder sich über mühselige Umwege die CD aus den <strong>Staaten</strong> importieren. Vielleicht wird ja auch noch mal ein <strong>deutsches Label</strong> auf diese musikalische Lichtgestalt aufmerksam. Hoffen kann man ja noch. Der einzige, leise Kritikpunkt, der hier geäußert werden muss, ist folgender: Mit gerade mal 8 Songs ist <strong>Sparks</strong> doch etwas kurz ausgefallen.</p><p>2009 habe ich es noch bedauert, dass ich zu spät auf <strong>Natalie Walkers</strong> letztes Album <strong>With You</strong> aufmerksam geworden bin, um es noch in meine Liste der Top-Alben des Jahres mit aufnehmen zu können. Das wird sich in diesem Jahr ändern, schließlich bin ich hier von Anfang an dabei. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: <strong>Spark</strong> ist eines der schönsten und (ent-)spannendsten Alben dieses Jahres und hat sich einen Platz in meiner Top 10 der Jahresendauswertung gesichert! Ich hoffe, Ihr kauft dieses Album alle fleißig, auf welchem Wege auch immer, damit <strong>Natalie Walker</strong> über den Geheimtippstatus hinauskommt. Verdient hätte sie es allemal! Und auch hier schließe ich, wie 2009, mit den Worten: Ich liebe es!</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/natalie-walker_spark-1.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"1200\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/09/natalie-walker_spark-1.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/09/natalie-walker_spark-1.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/natalie-walker_spark-1.jpg 1200w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Dorado Records</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/natalie-walker_spark.jpg","archived_at":"2026-10-01T21:15:47.764Z"}